Headhunter oder Stellenanzeige: Wie erreicht man nicht aktiv suchende Chefärzte?

Von Dirk Weber, Gründer und Geschäftsführer der KLINIKER BRÜCKE
Line-Icon: Zeitungsseite neben einer Person mit Sprechblase – Headhunter oder Stellenanzeige für die Chefarztstelle

Die kurze Antwort

Eine Stellenanzeige erreicht nur Chefärzte und Oberärzte, die gerade selbst suchen, und das ist bei Chefarztpositionen ein kleiner Teil der geeigneten Kandidaten. Ein Headhunter für die Chefarztstelle spricht dagegen gezielt und vertraulich auch Ärztinnen und Ärzte an, die in ungekündigter Position arbeiten und sich auf keine Anzeige bewerben würden. Die Anzeige ist deshalb sinnvoll als Ergänzung für Sichtbarkeit und Initiativbewerbungen. Wer den relevanten Markt vollständig erreichen will, braucht die Direktansprache.

Aus der Praxis

Dirk Weber, Gründer und Geschäftsführer

„Was? Das Klinikum sucht einen neuen Chefarzt? Davon wusste ich überhaupt nichts!“ Diesen Satz höre ich in Gesprächen mit potenziellen Chefarztkandidaten erstaunlich oft. Er zeigt das Kernproblem vieler Stellenanzeigen: Die interessantesten Kandidaten bekommen sie gar nicht zu Gesicht. Deshalb warte ich nicht auf Bewerbungen, sondern spreche geeignete Kandidaten gezielt und vertraulich an.

Was leistet eine Stellenanzeige für eine Chefarztposition?

Die Stellenanzeige ist der vertraute erste Schritt jeder Besetzung. Sie dokumentiert die Ausschreibung, erfüllt gegebenenfalls Vorgaben des Trägers und macht die Position in Fachmedien, auf Jobportalen und auf der eigenen Karriereseite sichtbar. Für viele Positionen im Krankenhaus reicht das aus.

Bei einer Chefarztstelle stößt die Anzeige jedoch an eine grundsätzliche Grenze: Sie wirkt nur bei Menschen, die aktiv nach einer neuen Aufgabe suchen. Wer die Anzeige liest, muss sich angesprochen fühlen, die Unterlagen zusammenstellen und den ersten Schritt selbst gehen. Genau das tun viele der Kandidaten, die für eine Chefarztposition infrage kommen, nicht.

Hinzu kommt, dass eine Anzeige wenig über die Position verrät. Sie nennt Fachgebiet, Bettenzahl und die üblichen Formulierungen zu Gestaltungsspielraum und Entwicklungsperspektive. Was einen erfahrenen Oberarzt tatsächlich zum Wechsel bewegen würde, etwa die strategische Rolle der Abteilung, das Verhältnis zur Geschäftsführung oder die Ausstattung des Teams, lässt sich in einer Anzeige kaum vermitteln.

Warum suchen geeignete Chefärzte selten aktiv?

Der Kandidatenkreis für eine Chefarztposition ist klein. Infrage kommen meist amtierende Chefärzte, Leitende Oberärzte und erfahrene Oberärzte mit dem passenden Schwerpunkt. Diese Ärztinnen und Ärzte haben eine gute Position, Verantwortung im eigenen Haus und oft eine langjährige Bindung an ihr Team. Einen akuten Grund, Stellenportale zu durchsuchen, haben sie nicht.

Das bedeutet nicht, dass sie nicht wechseln würden. Nach unserer Erfahrung ist die Bereitschaft, über eine passende Aufgabe zu sprechen, unter diesen Kandidaten deutlich größer, als die Zahl der Bewerbungen auf Anzeigen vermuten lässt. Sie wollen aber gefragt werden, statt selbst sichtbar zu werden.

Ein weiterer Grund ist die Diskretion. Wer sich als Chefarzt oder Leitender Oberarzt auf eine Anzeige bewirbt, riskiert, dass die Bewerbung im eigenen Haus bekannt wird. In einer Fachwelt, in der sich viele Entscheider kennen, ist das ein ernstzunehmendes Risiko. Ausführlicher beschreibt diese Ausgangslage der Beitrag Warum Chefarztstellen immer schwieriger zu besetzen sind.

Wie erreicht ein Headhunter Chefarzt-Kandidaten, die nicht suchen?

Ein Headhunter für Chefarztpositionen beginnt nicht mit einer Veröffentlichung, sondern mit dem Markt. Ausgangspunkt ist das Anforderungsprofil: Welche Schwerpunkte, welche Führungserfahrung und welche strategischen Fähigkeiten braucht die Abteilung? Wie ein belastbares Profil entsteht, zeigt der Beitrag Anforderungsprofil für einen Chefarzt erstellen.

Auf dieser Grundlage werden die Häuser mit vergleichbaren Fachabteilungen recherchiert und die Ärztinnen und Ärzte identifiziert, die das Profil erfüllen. Sie werden persönlich und vertraulich angesprochen. Im ersten Gespräch geht es nicht um eine Bewerbung, sondern um die Frage, ob die Aufgabe grundsätzlich interessant ist. Erst wenn das Interesse da ist, folgen Unterlagen und weitere Gespräche.

Der entscheidende Unterschied zur Anzeige liegt in der Richtung: Nicht der Kandidat muss die Klinik finden, sondern die Klinik findet den Kandidaten. Dadurch wird der relevante Markt vollständig betrachtet, auch die Ärztinnen und Ärzte, die von der Ausschreibung nie erfahren hätten.

Für Kliniken, die bereits einzelne Wunschkandidaten im Blick haben, lässt sich die Direktansprache auch gezielt auf diese Personen beschränken. Dieses Vorgehen beschreibt die Seite Wunschkandidaten ansprechen.

Headhunter und Stellenanzeige im Vergleich

Stellenanzeige

  • Reichweite: aktiv suchende Ärztinnen und Ärzte
  • Erster Schritt: durch den Kandidaten
  • Diskretion: gering, die Suche ist öffentlich
  • Vermittlung der Position: begrenzt auf den Anzeigentext
  • Vorauswahl: durch die Klinik, nach Eingang der Bewerbungen
  • Planbarkeit: abhängig davon, wer sich zufällig bewirbt
  • Kosten: Anzeigenschaltung, interner Aufwand

Headhunter (Direktansprache)

  • Reichweite: der gesamte relevante Markt, auch Kandidaten in ungekündigter Position
  • Erster Schritt: durch die Klinik über die Beratung
  • Diskretion: hoch, die Suche kann vertraulich bleiben
  • Vermittlung der Position: persönliches Gespräch über Rolle, Umfeld und Perspektive
  • Vorauswahl: durch die Beratung, vor der Vorstellung
  • Planbarkeit: gezielte Suche entlang des Profils
  • Kosten: Honorar der Beratung, geringerer interner Aufwand

Wann reicht eine Stellenanzeige für die Chefarztstelle?

Eine Anzeige allein kann ausreichen, wenn mehrere Voraussetzungen zusammenkommen: Es gibt im eigenen Haus oder im Umfeld bereits einen naheliegenden Nachfolger, das Fachgebiet ist breit besetzt, die Klinik ist in der Region gut bekannt und die Besetzung ist nicht eilig. In diesen Fällen dient die Ausschreibung oft eher der formalen Absicherung als der Suche.

Kritisch wird es, wenn die Anzeige über Wochen ohne geeignete Bewerbung bleibt. Jeder Monat, in dem die Position offen ist, verursacht Kosten durch Vertretung, Mehrarbeit und entgangene Erlöse. Wie sich diese Kosten zusammensetzen, erläutert der Beitrag Was kostet eine unbesetzte Chefarztposition?. Nach unserer Erfahrung verlieren Kliniken die meiste Zeit nicht durch die Suche selbst, sondern durch das Warten auf Bewerbungen, die nicht kommen.

Wie lassen sich Anzeige und Direktansprache kombinieren?

Anzeige und Headhunter schließen sich nicht aus. In vielen Fällen ist die Kombination der sinnvollste Weg, wenn die Rollen klar verteilt sind:

  • Die Anzeige sorgt für Sichtbarkeit. Sie zeigt dem Markt, dass die Position offen ist, und gibt aktiv suchenden Kandidaten die Möglichkeit, sich zu melden.
  • Die Direktansprache sorgt für Vollständigkeit. Sie erreicht die Kandidaten, die sich nicht bewerben, und prüft systematisch, wer für das Profil infrage kommt.
  • Ein Ansprechpartner bündelt beides. Eingehende Bewerbungen und angesprochene Kandidaten werden nach denselben Kriterien bewertet. So entsteht eine vergleichbare Auswahl statt zweier getrennter Verfahren.

Wichtig ist die Reihenfolge der Kommunikation. Erscheint die Anzeige, bevor die Direktansprache beginnt, kennen viele Kandidaten die Position bereits aus dem Portal, und das persönliche Gespräch verliert an Wirkung. Soll die Suche vertraulich bleiben, etwa weil der amtierende Chefarzt noch im Haus ist, wird auf die Anzeige zunächst ganz verzichtet.

Ob eine externe Beratung überhaupt sinnvoll ist und worin sich die Angebote unterscheiden, beschreiben die Beiträge Wann lohnt sich ein Headhunter für Ärzte für eine Klinik? und Personalberatung, Headhunting oder Personalvermittlung für Ärzte.

Unsere Einordnung

Welcher Weg passt für Ihre Klinik?

Wir raten Kliniken, bei einer Chefarztposition nicht abzuwarten, ob die Anzeige ausreicht, sondern die Direktansprache von Anfang an mitzudenken. Nach unserer Erfahrung finden sich die Kandidaten, die am besten zur Abteilung passen, selten unter den Bewerbungen, sondern unter den Ärztinnen und Ärzten, die zunächst gar nicht wechseln wollten. Ein gepflegtes Netzwerk an Chefarztanwärtern verkürzt diesen Weg, ersetzt aber nicht die gezielte Suche im Markt.

Wenn Sie klären möchten, welcher Weg für Ihre Position passt, können Sie gern ein Erstgespräch vereinbaren. Weitere Beiträge zur Besetzung bündelt der Themenbereich Chefarztstelle besetzen.

Häufige Fragen

Was macht ein Headhunter bei einer Chefarztsuche?

Ein Headhunter identifiziert Ärztinnen und Ärzte, die das Anforderungsprofil erfüllen, und spricht sie persönlich und vertraulich an. Er klärt Interesse und Eignung, bevor er Kandidaten der Klinik vorstellt, und begleitet in der Regel auch die Gespräche bis zur Vertragsunterschrift.

Warum bewerben sich so wenige Chefärzte auf Stellenanzeigen?

Die meisten geeigneten Kandidaten sind in ungekündigter Position und suchen nicht aktiv. Zudem riskieren sie mit einer offenen Bewerbung, dass ihr Wechselinteresse im eigenen Haus bekannt wird.

Sollte eine Klinik zuerst eine Anzeige schalten und dann einen Headhunter beauftragen?

Besser ist es, beide Wege von Anfang an aufeinander abzustimmen. Wer erst nach einer erfolglosen Ausschreibung eine Beratung einschaltet, verliert Zeit, und die Position ist im Markt bereits als schwer besetzbar bekannt.

Ist eine Chefarztsuche ohne öffentliche Ausschreibung möglich?

Ja. Gerade wenn die Nachfolge noch nicht bekannt werden soll, kann die Suche ausschließlich über vertrauliche Direktansprache laufen. Ob der Träger eine Ausschreibung vorschreibt, sollte die Klinik vorab intern klären.

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Dirk Weber

Gründer und Geschäftsführer der KLINIKER BRÜCKE. Seit 2010 auf die Besetzung von Chefarztpositionen in deutschen Kliniken spezialisiert.

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Inhalt

Eine Chefarztstelle besetzen? Sprechen wir über Ihre Position.

Im Erstgespräch klären wir Ausgangslage, Zeitrahmen und den passenden Suchweg für Ihre Chefarztposition.
Dirk Weber, Gründer und Geschäftsführer der KLINIKER BRÜCKE
Das Erstgespräch führe ich persönlich.
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